Geschichte


Im Jahr 1875 waren es handfeste Forderungen, die zur Gründung eines Zürcher Gewerbemuseums führten. Die Zeichen der Zeit standen auf Reform: Vorbildliche Entwürfe und Objekte sollten Stilsicherheit und Geschmack schulen, um so die bedrohte Konkurrenzfähigkeit der einheimischen Produkte auf dem europäischen Markt zu retten. Mittel zum Zweck bot das Museum; 1878 folgte die Gründung der Kunstgewerbeschule. Diese Partnerschaft – seit 2007 als "Zürcher Hochschule der Künste - Museum für Gestaltung Zürich" – besteht bis heute. Trägerin der Gesamtinstitution ist der Kanton Zürich. Das Museum bespielt zwei Ausstellungsorte: den ursprünglichen Ausstellungsort an der Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich, der aktuell zwecks umfassender Renovation geschlossen ist und im März 2018 wiedereröffnet, und den 2014 eröffneten Standort im Toni-Areal in Zürich West. Um dessen dauerhafte Bespielung zu ermöglichen, wurde das Museum Bellerive am Zürichsee – bis Februar 2017 Teil des Museum für Gestaltung – an die Stadt Zürich zurückgegeben.
                                          
Das ästhetische Erbe des 19. Jahrhunderts, aber auch aktuelle Gestaltungsprobleme wurden seit Beginn des  letzten Jahrhunderts in einem lebendigen Ausstellungsbetrieb hinterfragt. Bereits der erste Direktor entschied, dass auch Kunstgewerbe gesammelt werde. Die neue Sachlichkeit prägte das Programm ebenso wie die Ideale jener modernen Bewegung, die für "gute" Gestaltung kämpfte. Doch die Überhöhung der "Guten Form" ist spätestens seit der postmodernen Reflexion der achtziger Jahre suspekt geworden. Umso wichtiger, die Brüche in den Bewertungen, aber auch die Voraussetzungen des eigenen Tuns laufend zu bedenken.

Ausstellungen werden oft erst nachträglich zu jenen Ereignissen, die einen Zeitgeist auf den Punkt bringen. Klassische Designprobleme wie in "Forme nuove in Italia" (1954), oder in "gute möbel" (1961) stehen für den Ausstellungsbetrieb der fünfziger und sechziger Jahre. In den siebziger Jahren fällt der - soziologisch interessierte - Blick auf das Spannungsverhältnis zwischen Einzelnen und der Gesellschaft, so in "Lernen vom Industriequartier" (1976) oder in "Grafiker gestalten für die Öffentlichkeit" (1977). Die Ausweitung des Designbegriffs zeichnet das Programm ab den achtziger Jahren aus ("Imitationen: Von der Lust am Falschen", 1989; Sportdesign, 2004). Auch das wiederholte Aufgreifen von Themen ist nachzuweisen: Seit der Übernahme der Wanderausstellung "Film und Foto" des Deutschen Werkbundes 1929 war der Film 1945, 1960, 1972 und 1977 immer wieder Ausstellungsthema - bis hin zu "100 Jahre Schweizer Werbefilm!" (1998) oder "Trickraum" (2005). Doch mehr noch sind es die neugierige Haltung gegenüber gestalterischen Phänomenen und die Faszination am Medium Ausstellung, die die Kontinuität des Programms ausmachen.

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