Partysan - Design@200bpm

Eine Neuerwerbung der Grafischen Sammlung

27.07.2002 - 18.08.2002
Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr
Vestibül, Ausstellungsstr. 60

"Früher war es manchmal so, dass feier- und nightlifegeneigte Bürger so manches mal zu spät von den einschlägigen Events in ihrer stadt erfuhren: nämlich erst am Tag darauf. Das Ergebnis: Frust, Enttäuschung und das Gefühl nie dort zu sein wo das Leben pulsiert. Zu dieser Zeit, als Mobiltelefone kaum durchgesetzt und das Internet noch etwas für Nerds waren, musste jeder selber sehen, wie er herausbekommt was geht, was nicht, warum und vor allem wo und wann. Doch dann im Mai 1994 passierte es plötzlich. Die angesagten Typen hatten neuerdings so ein kleines schnuckeliges Pocketheftchen in der Tasche. Eifrig wurde geblättert, gelesen, geplant und antürlich auch ein wenig angegeben." (Partysan Münschen, Mai 2002).

Mit der Techno-Kultur entstand ein bestimmter Typus von Printmedium, der als Mixtur aus herkömmlichen Mustern einer Musikzeitschrift und den techno-spezifischen Flyern beschrieben werden kann. Gemeint sind postkartengrosse Publikationen, die monatlich umsonst ausliegen. Die Themenpalette entspricht dabei weitgehend den grösserformatigen Techno-Zeitschriften mit dem Unterschied, dass man sich hier wesentlich mehr auf lokale Thematiken konzentriert.

Der "Partysan" ist ein solches Fanzine für elektronische Musik im A6-Hosentaschenformat. Gegründet 1994 in München erscheint es monatlich in 12 Orten in einer Gesamtauflage von 345.000 Stück. Derzeit existiert der "Partysan" in Deutschland für die Regionen Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Franken-Oberpfalz, Mitteldeutschland, Nord, Nordost, Nordrhein-Westfalen, Rhein-Main-Saar und in Ungarn, Österreich und der Schweiz.

Im Laufe der Jahre und in den verschiedenen, unabhängig arbeitenden Redaktionen haben sich unterschiedliche grafische Gestaltungsformen für diesen Event Guide herausgebildet. Es kam im Laufe der Jahre zu zahlreichen Layoutänderungen. Die Entwicklung geht von einem eher technoiden, sehr bunten, patchworkartigen Konzept hin zu einem klassischeren Layout, das immer mehr beruhigt wurde. Ein Grund für diese Entwicklung war sicherlich die Veränderung des Geschmacks der Zielgruppe, aber auch, dass jene Technografik Einzug hielt in viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Bestimmte Elemente wurden bis in die kommerzielle Werbung übernommen, davon wollte man sich absetzen.

Wie bei der für Aussenstehende zum Teil unverständlichen Sprache der Techno-Fanzines ist auch die grafische Gestaltung ein Mittel, um die Zielgruppe anzusprechen. So ist für die einen dieser grafische und sprachliche Code ein Hinweis, dass dies speziell für sie gemacht ist. Andere, die die Codes nicht decodieren können, sind ausgegrenzt.

Die Grafische Sammlung des Museums für Gestaltung Zürich stellt im Rahmen dieser Ausstellung eine grosse Auswahl an Heften als Neuerwerbung vor und zeigt die Aktionen und Events des Partysan Networks neben dessen Publikationstätigkeit. Anhand von Orginalheften, Diaprojektionen, Filmausschnitten und Fotos wird im oberen Foyer des Museums für Gestaltung Zürich die grafische Entwicklung eines Techno-Fanzines illustriert.

 

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