Ab den 1970er Jahren wurde in Indien das Plakat als effizientes Medium zur Verbreitung sozialer Botschaften entdeckt. Im Bereich des Umweltschutzes und der Gesundheitsvorsorge besitzt es bis heute eine unmittelbare Funktion in der Alltagskultur. Zielpublikum ist oftmals die noch analphabetische städtische und ländliche Bevölkerung. Die meist kleinformatigen Plakate verfolgen eine didaktische Absicht, die durch Identifikation mit den erzählerisch vorgetragenen Inhalten erreicht werden soll. Nicht von ungefähr bilden daher die eigenen malerischen Traditionen, die durch das dekorative Ausschmücken selbst einfachster Häuser bis heute präsent sind, eine wichtige Inspirationsquelle. Auch die alle Bereiche des Alltags durchdringende Mythologie manifestiert sich direkt in der Abbildung der Götterwelt und in der Darstellung von Tieren und Pflanzen als beseelte Wesen. In vielen Plakaten wird die Vermittlung der oft abstrakten, gleichzeitig aber komplexen Inhalte durch grafische Strukturierung versucht. Manche der comicstrip-ähnlichen Zeichnungen verraten dabei unverkennbar die Entstehung am Bildschirm mithilfe von Illustrationsprogrammen. Stärker an eine ländliche Bevölkerung richten sich hingegen die noch immer traditionell von Hand gemalten Plakate. In ihnen dominiert die bilderbuchähnliche Darstellung einer Alltagsszene. Die kräftigen Farben ebenso wie der dekorative Rahmen der Plakate machen deutlich, dass hier bewusst der Anschluss an die Volkskulturen Indiens gesucht wird. Zumeist im Kollektiv entstanden, plädieren die Plakate für einen bewussten Einsatz als Kommunikationsinstrument, wie wir ihn in unserem Kulturkreis kaum mehr kennen. |
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