Esprit français – Zeitgenössische
Kulturplakate aus Frankreich

11.03.2008 – 14.07.2008
Schweizerische Nationalbank
Fraumünsterstrasse / Stadthausquai
(gegenüber Bauschänzli)


M/M (Paris), Leutti, 2002

Eine poetisch-verspielte oder expressiv-verfremdete Typografie, oft mit ungewohnten, surreal anmutenden Bildern kombiniert: Das sind Elemente, die das zeitgenössische franzö-sische Kulturplakat prägen. In diesem experimentellen Gebrauch von Schrift und Bild unterscheidet sich das aktuelle Plakatschaffen Frankreichs auch wesentlich von jenem in der Schweiz. Dieser Gegensatz wird ebenso von den unterschiedlichen Mentalitäten wie den so verschiedenen grafischen Traditionen der beiden Länder bestimmt.

Mit ihrem Schaffen repräsentieren die vorgestellten Gestalterinnen und Gestalter trotz gewisser Verwandtschaften auch ein breites stilistisches Spektrum. Gemeinsam ist ihnen, dass sie oft über Jahre hinweg im Auftrag einer bedeutenden Kulturinstitution arbeiten. Ihre Plakate erfüllen dabei keineswegs nur den Zweck der Information über das aktuelle Programm eines Veranstaltungsortes. Vielmehr geht es den Auftraggebern darum, eine klare Identität im öffentlichen Raum zu gewinnen und dabei gleichzeitig das „Autorenplakat“ zu fördern. Die grossformatigen Kulturplakate, deren Originalmasse das Schweizer Weltformat um einiges übertreffen, sind im Strassenbild nicht zu übersehen. So sind beispielsweise die Plakate des mittlerweile bereits legendären Duos M/M (Paris), das sich aus Michaël Amzalag (*1968) und Mathias Augustyniak (*1967) formiert, heute ein regelmässiges lokales Ereignis im bretonischen Ort Lorient. Ihre Bilder sprengen den Rahmen, die Begrenzung zwischen Text und Bild ist aufgehoben. Basis der Plakate sind oft fotografische Schnappschüsse der beiden. In den Plakaten des in Polen geborenen Michal Batory (*1959) spielt Fotografie ebenfalls eine wesentliche Rolle. Seine Aufnahmen sind aber keineswegs zufällig entstanden, vielmehr basieren sie auf einer mittels zeichnerischer Skizzen präzise ausformulierten Idee für ein Plakat, die dann aufwändig für die Fotografie inszeniert wird. Der Symbolismus seiner Bildwelten knüpft an die malerische, polnische Plakattradition an. Auch der unter dem mystischen Pseudonym Dr. Peche et Melle Rose (*1976) arbeitende Grafiker verbindet Zeichnung und Fotografie zu  imaginären, den Inhalt eines Theaterstücks verdichtenden Bildzeichen. Dass aber auch im völligen Verzicht auf Bilder, einzig durch den Einsatz der Typografie als gestalterisches Mittel, Atmosphäre und Charakter einer Bühnenpräsentation erfasst werden können, illustrieren die Arbeiten von Catherine Zask (*1961) und Philippe Apeloig (*1962) beispielhaft. Schrift, Farbe und abstrakte Formen verweben sich ineinander, die Buchstaben bilden mächtige, architektonische Figuren oder tanzen über die Fläche. Nicht zuletzt beweisen die präsentierten Plakate, dass in Frankreich kaum Berührungsängste zwischen Kunst und Grafikdesign existieren.


 
back