Lost, Stolen or Strayed
Plakate des viktorianischen Theaters
19. Juli bis 14. November 2005
Schweizerische Nationalbank
Fraumünsterstrasse / Stadthausquai
(gegenüber Bauschänzli)

Das volkstümliche Theaterplakat der viktorianischen Ära ist authentischster Ausdruck seiner Zeit. Angelockt durch die industrielle Revolution, manifestierte sich in den englischen Städten die Arbeiterschaft als neue soziale Klasse. Um ihrem Bedürfnis nach Unterhaltung gerecht zu werden, wurden viele Volksbühnen gegründet. Auch die heranwachsende Mittelschicht verbrachte die Freizeit bevorzugt im Theater. Grosser Beliebtheit erfreuten sich die sogenannten "Teetassen-Dramen", die das alltägliche Leben in einem Wohnzimmer imitierten.

Während die Plakatgeschichte Ende des 19. Jahrhunderts ganz von den stilistischen Innovationen des französischen Plakats dominiert wird, dem es um eine ästhetische Erziehung der Massen ging, gewinnt das viktorianische Theaterplakat seinen Charme durch die Absetzung von der offiziellen Kunst. Es steht ganz in einer erzählerisch-folkloristischen Tradition, die blockhaft-fette Beschriftung ist primär auf Lesbarkeit ausgerichtet. Die Plakate für das bis heute beliebte Stück Babes in the wood, das auf einer englischen Ballade aus dem 16. Jahrhundert basiert, zeigen anschaulich das stilistische Spektrum und den Einfallsreichtum der Gestalter auf: burleske Pantomime, karikaturistischer Schalk, aber auch Bilderbuchillustration mit Jugendstilanleihen.


Ausstellungskonzept: Bettina Richter und Alessia Contin


 
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