kankyô posutâ
Japanische Umweltschutzplakate
16. März bis 18. Juli 2005
Schweizerische Nationalbank
Fraumünsterstrasse / Stadthausquai
(gegenüber Bauschänzli)


Mitsuo Katsui: Air, 1993

Japanische Umweltschutzplakate haben für den westlichen Blick etwas Irritierendes. Ihre Sinnlichkeit und ihre Perfektion faszinieren, stellen aber auch eine Provokation dar. In den Nachkriegsjahren erlebte Japan einen wirtschaftlichen Aufschwung, Umweltschutz war kein Thema. Erst ernsthafte Umweltskandale seit den 1960er Jahren zwangen die Regierung zum Handeln. In den 90er Jahren (Kyôto Protokoll) widmeten sich viele GrafikdesignerInnen dem Umweltschutzplakat. Sie warnten aber nicht mit Bildern bedrohter Natur, sondern mit sinnlichen Verführungen, die eine spirituelle Beziehung von Mensch und Natur abbilden. Damit ordnet sich auch das Umweltschutzplakat in eine Plakatästhetik ein, die sich durch Reduktion, hohe Perfektion, Streben nach Harmonie und eine Öffnung zum Imaginären auszeichnet. Diese Plakate sind bildgewordener Ausdruck gesellschaftlicher Regeln: Probleme offen abzubilden gilt in Japan im sozialpolitischen Bereich als eben so unangemessen wie im privaten. Anstelle direkter Darstellung, die als Ausdruck des Ungebildeten und Groben empfunden wird, wird eine Kultur der Aufklärung gesucht, die mit Fantasie und Poesie arbeitet.

Text und Konzept: Alessia Contin und Bettina Richter


U.G. Sato:
Where can Nature go ?, 1993

 
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