BOLLYWOOD
Das indische Kino und die Schweiz

25. Mai bis 8. September 2002, Halle
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Was für Hollywood einst der Orient, das ist für Bollywood heute die Schweiz: Ein lockendes Paradies, der Himmel auf Erden. Bollywood, die grösste Traumfabrik des indischen Subkon-tinents, ist die produktivste Filmindustrie der Welt. Über 800 Produktionen bringen die Studios aus Bombay und Umgebung jedes Jahr ins Kino. Hollywood schafft zum Vergleich nur deren 600. Romantische Komödien sind das zugkräftigste Genre des Bollywood-Kinos, formelhafte Stories mit der richtigen Mischung aus emotionalen Ingredienzen wie Glück und Verzweiflung, Liebe, Wut und Kummer, Erstaunen und Heldenmut. Zur Grundausstattung jedes Bollywood-Films gehören romantische Sing- und Tanznummern. Die Filme dauern im Schnitt drei Stunden und umfassen mindestens sechs Songs, in denen sich Heldin und Held singend und tanzend ewige Liebe schwören, ob die Story des Films dazu nun direkten Anlass bietet oder nicht. Gedreht werden die Sing- und Tanznummern auch in der Schweiz. Saftige Matten, weisse Gipfel, blankgeputzte Eisenbahnen und malerische Chaletfassaden bilden den idealen Schauplatz für die melodischen Liebesschwüre der Bollywood-Stars. Früher wurden die Song-Nummern meist im Kaschmir gedreht, dem angestammten Sehnsuchtsort der indischen Mythologie. Wegen der politischen Unruhen und der Grenzstreitigkeiten mit Pakistan kommt das Kaschmir-Tal aber als Drehort kaum mehr in Frage. Die Schweiz mit ihrer einwandfreien Infrastruktur und ihren Bergen, die denen des Kaschmir an Schönheit in nichts nachstehen, hat sich zum beliebtesten Ausweichraum entwickelt. Mittlerweile werden in der Schweiz mehr Meter Film pro Jahr von indischen Filmequipen belichtet als von einheimischen. Im Alltag der indischen Kinofans (angesichts der Zuschauerzahlen könnte man vereinfachend auch sagen: im indischen Alltag) hat sich die Schweiz denn auch längst zu einem Fluchtpunkt der Fantasie entwickelt: Als Mischung aus den Klischees des Landes, die man weltweit kennt, und den Sehnsuchtsbildern, die Bollywood-Filme auf die schweizerischen Alpenmatten projizieren.

Wer es vermag, überprüft das Paradies neuerdings auch mit eigenen Augen. Angehörige der Mittelschicht reisen immer häufiger in die Schweiz, und auch wenn der Vergleich der Filmfantasie mit der Wirklichkeit bisweilen zu Ungunsten der letzteren ausfällt, so lassen sich die indischen Kinotouristen doch die Gelegenheit nur ungern entgehen, auf den Gipfeln von Rigi und Titlis die Songs ihrer verehrten Leinwandidole nachzusingen.

"Bollywood. Das indische Kino und die Schweiz" ist eine Ausstellung des Museums für Gestaltung, die auf einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich basiert. Anhand von Filmausschnitten, Stills, Fotografien, Plakaten, Modellen und Tonfiguren illustriert sie die Konstruktion der emotionalen Landschaft "Schweiz" im indischen Kino - eine Landschaft, die wir so gut zu kennen glauben, und die wir in dieser Ausstellung doch noch einmal von Grund auf neu entdecken können. Zur Ausstellung erscheint bei Edition Museum für Gestaltung Zürich ein illustriertes Lesebuch. Das Forschungsprojekt wurde durch Mittel der Gebert Rüf Stiftung www.grstiftung.ch ermöglicht.

Links:

Ausstellung (als pdf)
Bilder der Ausstellung
Führungen und Referate
Bollywood-Filme
Publikation
Geschichte Bollywoods
Bollymap
 

Projektteam Ausstellung:
Kuratorinnen: Meret Ernst, Cecilia Hausheer
Ausstellungsassistenz: Gabriella De Gara
Ausstellungsgestaltung: This Dormann
Ausstellungssekretariat: Tina Schalow

FORSCHUNGSTEAM
Alexandra Schneider, Zürich / Till Brockmann, Zürich / Cecilia Hausheer, Zürich. Projektmitarbeiter/innen: Dorothee Wenner, Berlin / Alexandra Rozkosny, Zürich / Urs Keller, Zürich / Riyad Vinci Wadia, Bombay, New York

Publikation:
Herausgegeben: Alexandra Schneider
Redaktion: Christina Reble, Alexandra Schneider, Doris Senn, Cecilia Hausheer
Bildredaktion: Alexandra Schneider, Christina Reble
Mitarbeit: Gabriella de Gara, Till Brockmann
Konzept und Gestaltung: Trix Wetter
Realisation: Elsa Houtermans
Korrektorat: Doris Senn
Produktion: Christina Reble

Bollymap
Produktion: Belleville

 
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